
Eine szenische Lesung von Gerd Zahner
Eigentlich ist ein Stück über Boger unmöglich. Boger ist der Teufel von Auschwitz. Den schleichenden Tod, nannte man ihn. Chef der Sicherheit in Auschwitz, verantwortlich für tausende Morde, die er an den Unschuldigen und Wehrlosen dort grausam begangen.
Im so genannten Frankfurter Ausschwitzprozess wurde Boger als einer der Hauptverantwortlichen von Auschwitz zu lebenslanger Haft verurteilt, er verhöhnte noch im Prozess die Opfer und die Angehörigen der Opfer. Seine Strafe verbüsste er bis 1977 in Singen. Vor dem Krieg war Boger Polizist in Friedrichshafen und quälte dort die Bevölkerung. Eigentlich ist ein Stück über ihn unmöglich, es sei denn, dass die Zufälle die Türen öffnen. Als Student forschte ich über den Frankfurter Auschwitzprozess, ich versuchte ein Spur von Boger zu finden, zu erfahren, wie dieser Mensch mit seiner Schuld leben konnte. Ich hab ihn nicht gefunden. Es ist der Zufall. Mein Schulweg führte genau an seinem Zellenfenster vorbei. Im Internet hab ich dies erfahren. Und dann erzählte mir Willi Waibel eine Geschichte. In den 70er Jahren ist er am 24. Dezember spontan ins Gefängnis in Singen gegangen und wollte einfach nur einem der Gefangenen frohe Weihnachten wünschen. Er kannte den Gefangen nicht, bis sie sich unterhielten. Es war einer der Täter von Auschwitz.
Gerd Zahner
Otto Edelmann Theater Konstanz Regie und Schauspiel
Raphael Bachmann, Basel, Schauspiel
Vorverkaufspreis: 9,30 Euro
Abendkassenpreis: 10,30 Euro