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Christine Aries – «Fotobilder»

Christine Aries – «Fotobilder»
Ausstellungen

Freitag, 24.08.2012 - Samstag, 13.10.2012

Mo: geschlossen
Di: 13.30 bis 18 Uhr
Mi: 13.30 bis 18 Uhr
Do: 13.30 bis 18 Uhr
Fr: 13.30 bis 18 Uhr
Sa: 10 bis 16 Uhr
So: geschlossen

Galerie O
Webergasse 58
8200 Schaffhausen

Internet: www.galerieo.ch
Karte

Aufmerksamkeit lohnt sich - Zu den Fotobildern von Christine Aries

Mit offenen Augen, immer in Bewegung und die Kamera griffbereit, reist Christine Aries. Erregt etwas ihre Aufmerksamkeit, betätigt sie den Auslöser - das fotografische Bild ist entstanden und erweitert ihren grossen Fundus an Aufnahmen um neue Gestaltungsmöglichkeiten. Was diese Worte so simpel beschreiben, ist tatsächlich ein komplexer Prozess von Konzentration,
Wahrnehmung und künstlerischer Arbeit. Hier stellt sie ihre Arbeiten aus, deren Basismaterial von Reisen nach Berlin und Tokyo stammt.

Doch was erregt ihre Aufmerksamkeit, was kann „ihr“ Bild werden, das sie später am Bildschirm verändert und drucktechnisch selbst fertigt? Fotografieren ist auch ein Auswahlverfahren. Besonders aus der Bewegung muss das Gesehene eine hohe Dichte und Komplexität aufweisen, um Interesse zu gewinnen, um überhaupt wahrgenommen zu werden. Christine Aries macht keine gestellten Aufnahmen, sondern schnelle Bilder, daher überrascht es nicht, wenn sie sagt, sie sei „oft zu spät“. Viel häufiger jedoch ist sie genau im richtigen Moment, am idealen Ort, wo sie elementare Strukturen und grundsätzliche Prinzipien entdeckt. Es ist, als ob sie einen Moment der Realität auf solche fundamentalen Elemente abschält - immer mit dem Blick für das Unerwartete, Überraschende.

Es ist der Anfang des künstlerischen Prozesses: Sie stellt diesen Moment, der ihre Aufmerksamkeit weckt, im fotografischen Bild still, um ihn dann weiterzuführen und zu öffnen. Im urbanen Raum interessieren sie beispielsweise Architekturen und Räume, die zwischen Bauten entstehen, oder auch das Zusammenspiel von Strukturen, Flächen, Farben, wie auch die möglichen Räume oder Erzählungen, die in ihnen stecken. Am Bildschirm, in der mehr oder weniger umfangreichen digitalen Bearbeitung, präpariert die Künstlerin diese Momente, bricht formale Strukturen, ergänzt Farben, vervielfacht den Ansatz einer Erzählung z.B. mittels Zeichnungen, verlängert spannende Kombinationen, variiert Muster oder erfindet etwas ganz Neues. In der Serie Spielbank entstehen ausgehend von einer realen Architektur an einem spezifischen Ort geradezu irreale Räume, deren Koordinaten buchstäblich ver-rückt sind. Die tatsächlich vorhandenen Elemente wie Fassaden,
Passagen, Passanten gehen über in eine Fiktion von Formen, losgelöst vom Ort und daher offen für neue Inhalte. In Arbeiten wie Sorry, Mr. Newman 1-4 verblüfft der Kontrast zwischen der gehenden Frau, eigentlich nur ein Schatten, und der beinahe unwirklichen, aber massiven Skulptur von Barnett Newman. Geradezu elegisch denkt man über den einzelnen Menschen auf dem Balkon unterhalb der verwaisten Werbefläche nach, in einer Stadt, die für ihre Menschendichte bekannt ist (Tokyo). Oder Augustus Hospital - die tatsächliche, marode und daher wunderbar pittoreske Architektur setzt sich natürlich fort und
die Grenze zwischen Architektur und Natur verschwimmt.





Auch der zeitliche Index kann doppelt gelesen werden: Architektur, die sich im Zuge des Verfalls wieder in Natur umformt, oder Natur, die sich graduell in Architektur verwandelt. Unmöglich, sich zu entscheiden. Aber durchaus möglich, noch anderes zu denken.

Aufmerksamkeit zu erregen, ist heute ein schwieriges Geschäft, wie Werbefachleute zweifellos bestätigen würden. Durch die ständige mediale Übersättigung ist die Wahrnehmung ermüdet, und die Strategien, Aufmerksamkeit auf ein Produkt zu lenken und in Konsum zu überführen, sind ungezählt. Auf erfrischende Weise bieten die Arbeiten von Christine Aries ein Gegenmodell: Sie beweisen, dass Aufmerksamkeit eine produktive Grösse ist und nicht passiv in Konsum kollabieren muss. Aus dem Überfluss an verschiedenartigen Reizen, denen man täglich mit hoher Geschwindigkeit
ausgesetzt ist, trifft der sensible Blick der Künstlerin eine Auswahl für die Betrachter.
Dadurch, dass sie auf etwas aufmerksam wird und es dem Blick präsentiert, allerdings so befreit, dass es sich in alle Richtungen weiterentwickeln kann,
kann es wahrgenommen und bedeutsam werden - eben nicht vorgefertigt, abgeschlossen oder leicht zu konsumieren.


Christine Aries (*1954 in Dörflingen/SH) lebt und arbeitet in Schaffhausen. Ausstellungen in letzter Zeit: Galerie Ursula Wiedenkeller, Zürich, Städtische Galerie Tuttlingen, Kunst+Raum St. Gallen, Forum Vebikus Schaffhausen.

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