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Höri Musiktage 2021

Höri Musiktage 2021
Klassische Musik

Donnerstag, 12.08.2021

20:00 Uhr

Kirchhof Stiftskirche
78337 Öhningen (DE)
Internet: www.hoeri-musiktage.de
Karte

«Der Abend mit Vivaldi» ein Konzert der Barock-Akademie

Zum zweiten Mal findet im Rahmen der Höri Musiktage die Barockakademie unter der Leitung von Petra Müllejans statt.

13 Akademisten haben sich hierfür beworben und erarbeiten, in historisch informierter Aufführungspraxis, das folgende Programm:

‍Georg Friedrich Händel: Concerto grosso D-Dur Op.6 Nr.5 HWV 323

für zwei Violinen solo, Streicher & Basso continuo

Maestoso, Allegro, Presto, Largo, Menuet, Finale (Allegro)
Antonio Vivaldi: Concerto C-Dur RV 114

für Streicher & Basso continuo

Allegro, Adagio, Ciaccona

Antonio Vivaldi: Amor hai vinto RV 684

für Altus, Streicher & Basso continuo

Recitativo: Amor hai vinto

Aria: Passo di pena

Recitativo: In che strano e confuso

Aria: Se à me rivolge

Antonio Vivaldi: Concerto g-Moll RV 439 La Notte

für Flöte, Streicher & Basso continuo

Largo, Presto, Largo, Presto, Largo, Allegro

Antonio Vivaldi, Cessate omai cessate RV 684

Kantate für Altus, Streicher & Basso continuo

Recitativo: Cessate omai cessate

Aria: Ah! Ch’infelice

Aria: Per me non v‘è

Recitativo: A voi dunque ricorro

Aria: Nel l’orrida

Es war eine überaus beschwerliche, unbequeme und nicht ungefährliche Reise, die Georg Friedrich Händel 1706 unternahm. Den 21-jährigen Komponisten zog es nach Italien, um seine ohnehin bereits ausgefeilten Kompositionstechniken zu verfeinern und sich mit dem italienischen Stil, der damals in ganz Europa en Vogue war, auseinanderzusetzen. Zu jener Zeit konnte Händel bereits erste Erfolge als Opernkomponist in Hamburg verbuchen, doch ein Italienaufenthalt war für einen Komponisten jener Zeit nahezu unabdingbar. Im Sommer oder Herbst 1706 startete Händel also in Hamburg und folgte der damals üblichen Route Richtung Süden, über München, Innsbruck und den Brennerpass, der damals noch ein Pflasterweg aus römischer Zeit war, hinein in die oberitalienische Tiefebene. Vier Jahre sollte sein Studienaufenthalt dauern, in dessen Rahmen er mehrmals Florenz und Rom, einmal auch Neapel besuchte. Vor Ort traf er mit den bedeutendsten Komponisten jener Zeit zusammen, darunter Arcangelo Corelli sowie Alessandro und Domenico Scarlatti. Außerdem konnte er enge Kontakte in die italienische Oberschicht knüpfen, die ihn (beeindruckt von seinen Fähigkeiten) mit Kompositionsaufträgen bedachte und so seinem Ruhm weiter Vorschub leistete.

Im 17. und 18. Jahrhundert dominierten in Italien zwei musikalische Gattungen: die Oper (gen. „Opera seria“, zu Deutsch „ernste Oper“) und das Concerto grosso. Unter dem Begriff Concerto grosso versteht man eine Komposition für Orchester, in der zwei Gruppen miteinander bzw. gegeneinander musizieren. Auf der einen Seite das „Concertino“ (das „kleine Konzert“) mit wenigen Musikern, auf der anderen Seite das „Ripieno“ (die „Füllung“) mit mehreren Musikern. Der dadurch entstehende, klangliche Effekt, lässt sich mit einem Echo vergleichen und ist verwandt zum Solokonzert, in dem ein einzelnes Instrument in einen musikalischen „Wettkampf“ mit dem Orchester tritt.

Noch Jahrzehnte später, als Händel bereits zum bekanntesten Komponisten Europas avanciert war und in London die Musikszene mit seinen ausladenden Opern und Oratorien dominierte, blieb er dem Stil, den er in Italien kennengelernt hatte, treu. Nicht nur in den Musikdramen, sondern auch in den Instrumentalwerken, darunter in seinen Concerti grossi. Insgesamt verfasste Händel 18 Beiträge zu dieser Gattung, die in zwei Ausgaben, den Opera 3 und 6, veröffentlicht wurden. Sein Opus 6, aus dem das Concerto grosso Nr. 5 in D-Dur HWV 323 stammt, wurde 1739 bzw. 1741 beim Verleger John Walsh veröffentlicht. Der Großteil dieser Concerti folgt dem Schema der Kirchensonate mit der Satzfolge langsam-schnell-langsam-schnell, das vor allem in den musikhistorisch bedeutenden Concerti grossi von Arcangelo Corelli zu finden sind – die frühesten Dokumente von Concerti grossi überhaupt. Doch es gibt auch Ausnahmen, die sich formal der an der Ouvertüre nach französischen Stil orientieren: Ein eröffnender Satz mit scharfen Punktierungen und einem fugierten Abschnitt, dem dann einige Tanzsätze folgen. Händels Concerto grosso Nr. 5 in D-Dur zählt zu jenen Konzerten der Opus-6-Sammlung, die das französische Satzmodell mit der italienischen Concerto-grosso-Technik verbinden. Dabei ist es nicht verwunderlich, dass Händel D-Dur wählte, galt diese Tonart zu jener Zeit doch als besonders festlich und majestätisch. Wie üblich griff Händel in seinem D-Dur-Concerto auf bereits vorhandene Kompositionen zurück. Die Sätze 1, 2 und 6 basieren auf der Ouvertüre zu seiner Ode for St. Cecilia’s Day aus demselben Jahr. Das thematische Material der Ouvertüre stammt wiederrum aus Georg Muffats Componimenti musicali.

Händels vierjähriger Aufenthalt mit den Stationen in Rom, Neapel und Florenz ist wissenschaftlich gut dokumentiert, doch eine Frage beschäftigt die Händel-Forschung seit vielen Jahren: war er denn nicht auch in Venedig? Venedig war zu Beginn des 18. Jahrhunderts in musikalischer Hinsicht wesentlich bedeutender als Florenz und ein Italienreise zu Studienzwecken, ohne dabei Venedig zu besuchen, erscheint unwahrscheinlich. Es gibt jedoch keine Beweise. Zwar hat Händel während seines Aufenthaltes für Venedig seine Oper Agrippina geschrieben, seine Anwesenheit in der Stadt konnte bis heute jedoch nicht mit letzter Sicherheit geklärt werden. Sollte er in Venedig Halt gemacht haben, traf er dort sicherlich den bekanntesten Komponisten der Stadt: Antonio Vivaldi. Vivaldi wurde 1678 in der Lagunenstatt geboren und war als Priester für die Musikerziehung der Mädchen am Ospedale della Pietà, einem Waisenhaus, verantwortlich. Er galt als herausragender Geigenvirtuose, der seine Fähigkeiten bei seinem Vater und eventuell auch bei Giovanni Legrenzi erlernt hatte. Neben seiner Tätigkeit als Violinist und Lehrer war Vivaldi ein überaus produktiver Komponist: er selbst behauptet in einem Brief, dass er 94 Opern komponierte, darüber hinaus sind knapp 500 Concerti für verschiedene Besetzungen überliefert, dazu kommen noch zahlreiche Sonaten, sowie kirchenmusikalische Kompositionen und Kantaten.

Unter all diesen unzähligen Kompositionen ragen seine Violinkonzerte besonders hervor und heute noch zählen die Vier Jahreszeiten zu den bekanntesten und beliebtesten Violinkonzerten der Musikgeschichte. Aber auch seine Flötenkonzerte werden zusehends wieder entdeckt und finden sich in zahlreichen Konzertprogrammen und CD-Aufnahmen wieder. Viele dieser Flötenkonzerte sind auch mit programmatischen Titeln überschrieben, genau wie seine Jahreszeiten. So gibt es die Flötenkonzerte Il Gardellino (der Stieglitz), La tempesta di mare (Der Meeressturm) und La notte (die Nacht), drei von sechs Konzerten für Flöte und Orchester, die 1728 als Opus 10 in Amsterdam publiziert wurden. Ebenso wie in seinen Jahreszeiten folgen manche Sätze im Flötenkonzert g-Moll La Notte RV 349 einem bestimmten, außermusikalischen Thema. Doch hier wird keine nächtliche Idylle thematisiert, sondern ein regelrechter Albtraum, allen voran im zweiten Satz, „Fantasmi“, in denen der Träumer von Gespenstern heimgesucht wird. Vivaldis Tonsprache ist so individuell und charakteristisch, dass es selbst für Laien oft ein Leichtes ist, ein Werk von Vivaldi zu identifizieren. Dieser individuelle Charakter ist auch in La Notte allgegenwärtig: flirrende Tonrepetitionen, rasche Tonleitern, elegante Symmetrien und virtuose Solo-Einlagen prägen das Konzert und machen es somit zu einem „typischen Vivaldi.“

Vivaldis Concerto in C-Dur RV 114 (entstanden vermutlich um 1717) gehört wiederum zur Gattung des Concerto grosso. In seinen Concerti grossi wendet sich Vivaldi von Corellis viersätzigem Modell ab und folgt dem Satzschema langsam-schnell-langsam. Selbst Johann Sebastian Bach, der die Werke von Vivaldi gut kannte und schätze, adaptierte dieses Modell für eine große Anzahl seiner Instrumentalkonzerte. Besonders bemerkenswert ist der letzte Satz des C-Dur-Concertos RV 114, eine sogenannte Chaconne bzw. Ciaccona. Chaconnen waren zu Vivaldis Lebzeiten überaus populär, was zweifelsohne auf deren einprägsamen Charakter beruht. Dabei handelt es sich um Variationssätze auf einem feststehenden Gerüst im Bass. Meist bestand diese Basslinie aus lediglich vier Tönen, einem abwärts gerichteten Quartgang (im Falle des Concertos von Vivaldi von C‘-g bzw. den Harmonien C, G, a, C, F, G, C). Über dieser ständig wiederholten Basslinie erklingen dann in den übrigen Streicherstimmen verschiedene Variationen, bestehend aus Dreiklangsbrechungen, Wechselnoten, Tonleiterfigurationen u.v.m.

Bald nach seinem Tod 1741 gerieten Antonio Vivaldi und seine Musik in Vergessenheit und es sollte mehr als 150 Jahre dauern, bis man sich an den großen Meister aus Venedig erinnerte. Zunächst waren es seine Violinkonzerte, die die Aufmerksamkeit der Fachwelt auf sich zogen. Seit wenigen Jahrzehnten jedoch widmen sich Wissenschaftler und Musiker auch vermehrt seiner Vokalmusik, besonders seinen Opern, aber auch seinen Kantaten. 37 Kantaten für Solo-Stimme und Instrumentalbegleitung schrieb Vivaldi im Laufe seines Lebens, die meisten in seiner Zeit in Mantua, wo er zwischen 1718 und 1726 als Opernintendant und Komponist tätig war. Auch seine Kantate Cessate, omai cessate RV 684 für Altus, Streicher und Continuo stammt aus dieser Zeit und wird auf um 1724 datiert. Die Kantate beginnt traditionell mit einem Rezitativ, wobei es nahe liegt, dass zuvor eine instrumentale Einleitung erklang, die heute nicht mehr zu rekonstruieren ist. Es folgt dann eine Folge von Arie-Rezitativ-Arie, was die Kantate zu einer kleinen „Miniatur-Oper“ macht. Auch die hochvirtuose Alt-Partie verweist auf den Typus der italienischen Opernarie des 17. Jahrhunderts.

Die Kantate Amor hai vinto RV 683 hingegen zeigt sich in einem intimeren Charakter. Während Cessate, omai cessate äußerst expressiv und dramatisch erklingt, ist Amor hai vinto deutlich gefälliger und leichter zugänglich. Für den Musikwissenschaftler Karl Böhmer liegt dies am Entstehungshintergrund der Kantate. Um 1721 erhielt er von Kardinal Ottoboni den Auftrag, Opern und Kantaten für das Publikum in Rom zu schreiben, worauf ihm Vivaldi u.a. Amor hai vinto zukommen ließ. Böhmer vermutet, dass sich Vivaldi dem konservativen Geschmack der Römer angleichen wollte und somit eine traditionellere Kompositionsweise anwandte. Besagter Kardinal Ottoboni hatte übrigens 15 Jahre zuvor bereits Georg Friedrich Händel protegiert.

Eintritt: 20.- EUR

Weitere Informationen unter https://www.hoeri-musiktage.de

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