Donnerstag, 10.06.2010
19:30 Uhr
Bibliothek Agnesenschütte
Isolde Schaad, 1944 in Schaffhausen geboren, studierte in Zürich und Cambridge Kunstgeschichte, Ethnologie und Publizistik. In den frühen 70er Jahren arbeitete sie als Kulturredaktorin bei der Weltwoche, bevor sie sich 1974 für eine freiberufliche Laufbahn entschied. Nach verschiedenen Studienaufenthalten in Nahost, Indien und Ostafrika liess sie sich in Zürich nieder. Ostafrika war dann auch das Thema ihres zweiten Buches, KNOWHOW AM KILIMANDSCHARO (1984), auswelchem sie erstmals im FASS, anlässlich einer Doppellesung mit Niklaus Meienberg, gelesen hat. Schon in diesem frühen Werk blitzt immer wieder der Sprachwitz der politisch engagierten Autorin auf und demonstriert überzeugend, wie Sprache selbst subversiv sein kann.
ROBINSON UND JULIA heisst der neue Roman von Isolde Schaad. Schon das Register der handelnden Personen ist eindrücklich: neben Eva tritt auch Adam auf, Julia selbstverständlich, aber auch Simone de Beauvoir und Jean Paul Sartre, Bauer Josef Clever (Ex Chef der Deutschen Bank), Bonny & Clyde, aber auch Lukas Cranach der Ältere, dessen Eva (1528) Covergirl des Schutzumschlages ist. Dieser Personenreichtum wie auch die differenzierte Gliederung der Kapitel deuten der geneigten Leserin oder dem wohlgesinnten Leser an, welche Abenteuer er oder sie mit dem vor kurzem erschienenen Roman zu bestehen haben. Wer sich dann vor Gwunder ins erste Kapitel hineinstürzt, erkennt schon nach den ersten Zeilen, dass er oder sie die Hühner auf den Balkon stellen muss, um dem assoziationsreichen, sprachspielerischen Text zu folgen. Wer im Diskurs von 68, Feminismus und Postmoderne zu Hause ist, wird der durchaus temporeichen, mit Anspielungen gespickten Suada gebannt folgen und staunen über den zuweilen chaotischen Furor der Autorin, die ihre Heldin zu guter Letzt im Bild von Lukas Cranach zur Ruhe kommen lässt. Isolde Schaads ROBINSON UND JULIA ist einer der seltenen Querschläger im ballistisch austarierten Feuer der Neuerscheinungen. Und wer sich nun (vielleicht mit gewissem Recht) vor einer Lektüre fürchten sollte, wird staunend — und vergnügt — dem mündlichen Vortrag der Autorin folgen.