Das Duo Andreas Gabriel und Fabian Müller lassen im fünfundfünfzigsten Rathauskonzert am 16. Januar 2011 um 17.00 Uhr in Diessenhofen alte Schweizer Fiedelmusik neu erklingen. Die Beschäftigung mit diesem verschollenen Kulturgut erwies sich wwfaszinierend. Während die Interpreten versuchen, die Musik so original wie möglich zu spielen, wird die Originalität heute von vielen Menschen als vollkommen exotisch empfunden. Als Inspirationsquellen wurden uralte, wieder entdeckte Feldaufnahmen aus dem Safiental und dem Wallis verwendet. Durch ihre Arrangements kleiden die beiden Profimusiker die ursprünglichen Stücke in eine zeitgemässe, oft überraschende und farbige Form.
Mit sieben Jahren begann Andreas Gabriel das Geigenspiel und war schon bald Mitglied der Familienmusik mit seinen Geschwistern und seinem Vater an der Bassgeige. Nach der Matura studierte er Geige an der Musikhochschule Luzern, holte sich Anregungen zur historischen Aufführungspraxis bei Brian Dean und zur Interpretation neuer Musik bei Bettina Skrypzak. Nach dieser klassischen Ausbildung begann er nach der verschollenen Fiedelmusik der Schweiz zu forschen und experimentierte mit altem Melodiengut. Dabei entwickelte er seinen ganz eigenen schweizerischen Fiedelstil. Als gefragter Dozent gibt er sein Wissen in Kursen und Workshops weiter.
Fabian Müller lebt heute als freischaffender Komponist in Zürich. Ursprünglich Cellist mit Lehr- und Konzertdiplom am Konservatorium Zürich studierte er Komposition in Zürich und in den USA. Seit seiner Kindheit befasste er sich auch mit Schweizer Volksmusik und gilt als einer der massgebenden Vordenker und Erneuerer. Während zehn Jahren arbeitete er an der Herausgabe der Hanny Christen-Sammlung. Diese bemerkenswerte Sammlerin trug in der Mitte des letzten Jahrhunderts über 12'000 Melodien handschriftlich zusammen und dazu unzählige Schriften zu allen Bereichen der Volkskultur. Dadurch schuf sie einen unschätzbaren Fundus, einen kulturellen Schatz, der beinahe in Vergessenheit geraten wäre.
Bis vor kurzem setzte man Schweizer Volksmusik mehr oder weniger mit der so genannten „Ländlermusik“ gleich, und man war sich kaum bewusst, dass diese nur einen von vielen Aspekten unserer traditionellen Musik darstellt. Die Ländlermusik entwickelte sich als Stil anfangs des 20. Jahrhunderts und ist demnach relativ jung. Was vorher bei uns gespielt wurde, blieb lange im Dunkeln. Seit der Herausgabe der Notensammlung im Frühling 2002 ist das Interesse für die alte Schweizer Volksmusik geweckt. Das aufgeweckte Diessenhofer Publikum darf sich auf ein bemerkenswertes Konzert freuen.
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