Dienstag, 07.09.2010
12:30 Uhr
Kirche St. Johann
2. Mittagskonzert
Jazzinspirierte Orgelmusik
Einer der bekanntesten Songs des amerikanischen Dirigenten und Komponisten Leonard Bernstein (19 18-1990) ist «America» aus dem Musical West Side Story (1957). Der britische Klassik-Rock-Organist Keith Emerson schrieb 1968 für seine Band «The Nice» ein populäres Arrangement über diesen Song und stürmte damit die internationalen Hitparaden. Ausgehend von dieser Bearbeitung – die in den Einleitungstakten ein Motiv aus Dvoraks 9. Sinfonie zitiert – und die den 6/8-Takt Bernsteins in einen rockigen 4/4-Takt mit Achtel- und Vierteltriolen umwandelt, verfasste Jürg Lietha die vorliegende Transkription für grosse Orgel.
Antonio Carlos Jobim (1927-1994), brasilianischer Komponist solch berühmter Songs wie «Desafinado» oder «Corcovado» gilt als Vater des Bossa Nova, der ab den 1960-er Jahren die ganze Welt eroberte.
Der 1946 in Budapest geborene Zsolt Gardonyi (Sohn des einstigen Kodaly- und Hindemith-Schülers Zoltan Gardonyi) wählt für vorliegendes Stück aus dem Jahre 1995 den Titel Mozart-Changes, um damit eine Verbindung zur Jazz-Harmonik anzudeuten (Change heisst soviel wie Akkordwechsel).
Das Stück kreist um zwei tänzerische Motive aus dem Schlusssatz der Klaviersonate D-Dur (KV 576) Mozarts. Auch diese enthalten jene stilübergreifende Akkordfolge aus dem 1 8.Jh. (Vl-ll-V-l), die im 20. Jh. im Jazz eine so wichtige Rolle spielen sollte. Die Mozart-Motive verwandeln sich gleichsam vor unseren Augen bzw. Ohren und erschliessen in ihrer heiteren Metamorphose eine zusätzliche Dimension für das Wort changes.
Jürg Lietha wurde in Schaffhausen (Schweiz) geboren. Nach der Matura absolvierte er seine Musikstudien am Konservatorium und an der Musikhochschule Zürich, wo er die Hauptfächer Klavier (H. Schicker), Orgel (H.Gutmann und E.Vollenwyder) und Chorleitung belegte. Nach Abschluss der Solistendiplome auf beiden Instrumenten führte er seine Klavierstudien weiter bei Prof. Vitaly Margulis (Freiburg, D), ausserdem besuchte er Orgelinterpretationskurse bei Gaston Litaize und Daniel Roth (Paris), Guy Bovet (Romainmôtier), sowie Improvisation bei Martin Baker (London).
Er widmet sich einer vielseitigen Konzerttätigkeit, die ihn in verschiedene Länder Europas führt, und organisiert die internationalen Orgelkonzerte an der Dreifaltigkeitskirche Bern, wo er als Hauptorganist und Dozent wirkt.
«Organ rag music» entstand eigentlich für die Klavierschule «Piano, Piano» (SME-Verlog) und ist ganz im Stil der traditionellen Ragtimes der vorletzten Jahrhundertwende komponiert. Die Gospel Preludes sind eine Art moderne Choralvorspiele im Stile von Ragtime, Swing, Rock und Boogie. Erschienen 2003 im Berner Musikverlag Müller&Schade, wurden sie geschrieben «für Profis und fortgeschrittene Laienorganisten, zum Vertrautwerden mit modernen Stilen, für Liturgie und Konzert.»
Die Latin Fantasy zeigt die Orgel von der eher jazzigen Seite:
Südamerikanische Salsa-Rhythmen und repetitive Minimalmusic-Elemente (eine amerikanische Kompositionstechnik aus den 1960er-Jahren) geben dem Stück ein besonderes Gepräge:
Nach einer freien rezitativischen Einleitung folgt das Hauptthema im Sambarhythmus. Das 2. Thema, pianissimo auf den 4‘-Flöten zu spielen — ist mit dem ersten praktisch identisch, wirkt aber durch repetitive Elemente und gedämpfte Lautstärke wie ein grosser Kontrast. Längere lmprovisationsteile folgen nun, zunächst im Pianissimo, dann — nach einer breit angelegten Steigerung — im vollen Orgelklang. Der Sambarhythmus des ersten Themas übernimmt in der Folge wieder die Herrschaft. Am Schluss Reprise mit kurzer Coda.
Freier Eintritt – Kollekte