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Schaffhauser Kunstkästen – «Das Feministische Kapital»  Vernissage #SHKULTURMAGAZIN

Schaffhauser Kunstkästen – «Das Feministische Kapital»
Ausstellungen
Reshma Chhiba, I am Kali, I am Black, 2013

Samstag, 18.09.2021

Kunstkasten am Bahnhof
Bahnhofstrasse
8200 Schaffhausen

Karte

Vernissage

Reshma Chhiba – «Embodying Kali»


Eröffnung am Samstag 18. September 2021 im Rahmen der Museumsnacht Hegau-Schaffhausen ausnahmsweise mit 2 Führungen: 17 Uhr und 21 Uhr. Treffpunkt beim ersten Kasten bei der Ticketeria / Bahnhof Schaffhausen.

Eine blutrünstige, feministische Göttin

Die Collettiva-Kuratorinnen zeigen in der neusten Kunstkasten-Staffel Werke von Reshma Chhiba, eine Südafrikanerin mit indischen Wurzeln. „Embodying Kali“ sind Fotografien, Malereien und Videos über die Geschichten von der Gewalt an Frauen und vom weiblichen Widerstand. Begleitet wird die Künstlerin von der hinduistischen Göttin Kali.

Wenn Kali das Schlachtfeld betritt, rollt sie ihre tiefrote Zunge aus und leckt das Blut ihrer Gegner*innen vom Boden. Kali ist die hinduistische Göttin der Zeit, der Zerstörung und der Erneuerung. „Ich bin besessen von Kali.“, lacht Reshma Chhiba. Die Symbole dieser Göttin – die herausgestreckte Zunge, das ungebändigte Haar, die Nacktheit – findet sich in Chhibas Werk wieder, das nun für drei Monate in den Schaffhauser Kunstkästen hängt.

Widerstand gegen die Gewalt
Chhiba wohnt in Südafrika und hat indische Vorfahr*innen. Ihre Grossmutter kam vor hundert Jahren aus dem britisch kolonialisierten Indien nach Südafrika. Eine Frau, die ihre Heimat verlassen und viel ertragen musste. Nicht unähnlich zu Kali. Diese Göttin steht für Chhiba sinnbildlich für das weibliche Auflehnen gegen eine patriarchale Gesellschaft, die Frauen mundtot machen will und ihnen Gewalt antut. Die häusliche Gewalt gegen Frauen und Kinder nahm in Südafrika (und anderswo) während der Pandemie nochmals deutlich zu und trotzdem ist die Polizei nicht geschult, adäquat damit umzugehen. Oft schenkt sie Betroffenen keinen Glauben. Das beschäftigt Chhiba in ihrer Arbeit sehr. „Embodying Kali“, also „Kali verkörpern“, heisst: Widerstand leisten, wütend sein und daraus Kraft schöpfen, denen, die einen zum Schweigen bringen wollen, die Zunge rausstrecken.

Schwarze Frauen nehmen Raum ein
Das Motiv der Zunge zieht sich durch die Werke. „I am Kali, I am black“ ist eine Selbstportrait Chhibas. Die Schwarz-Weiss Fotografie zeigt eine Frau mit buschigem Haar und weit rausgestreckter Zunge. Ihr Blick ist herausfordernd. Die Aufnahme provoziert, weil wir die Zunge von Menschen üblicherweise kaum sehen – sie hat ja durchaus einen sehr erotischen Aspekt. Die Künstlerin provoziert hier auch, weil sie einen Schwarzen Körper sich Raum nehmen lässt. Weisse Menschen sind im öffentlichen Raum noch immer übervertreten. Collettiva-Kuratorin Eleonora Stassi sagt dazu: „Es ist ein starkes Bild, dass eine Schwarze Person, und noch dazu eine Frau, sich nicht auf ihren Platz verweisen lässt.“  

Eine Zunge haben heisst eine Stimme haben
Die Zunge steht auch für die Möglichkeit, in der Öffentlichkeit eine Stimme zu haben. Mit dieser Assoziation spielt Chhiba ebenfalls in „Mother Tongue“, eine rote Zunge aus Stoff auf fleischigrotem Hintergrund. „Mother Tongue“ heisst auf Englisch „Muttersprache“ und die spielt für die Künstlerin eine wichtige Rolle in ihrer Arbeit. Chhiba ist mit Englisch aufgewachsen, doch als Muttersprache bezeichnet sie die indische Sprache Gujarati. Es ist die Sprache ihrer Grossmutter, die nach Südafrika kam und sich weigerte, Englisch – die Sprache ihrer Kolonialisierer – zu sprechen.

Tanz als Befreiung
Chhiba zeigt auch eine Videoarbeit. Darin spielt die Abwesenheit der Sprache, das Schweigen, eine wichtige Rolle. Im Video zu sehen sind eine Tänzerin und eine Frau, die in Zeichensprache spricht. Sie verbinden traditionelle, spirituelle Tanzelemente mit neuen und erzählen so Geschichten von Gewalt, Verdrängung und Flucht. Mit den tonlosen Ausdrucksformen spielt Chhiba auf das Schweigen an rund um die Gewalt an Frauen und an Kindern. Chhiba selbst tanzt, seit sie sechs ist und hat eine Tanzschule mitgegründet. Durchs Tanzen will sie das Selbstbewusstsein von Frauen und Mädchen stärken. 

Mehr Infos:
www.collettiva.ch
www.museumsnacht-hegau-schaffhausen.com/haeuser/kunstkaesten-sh/
www.reshmachhiba.com


Standorte der Kunstkästen:

K1 Bahnhofstrasse Schaffhausen / Ticketeria
K2 Vordergasse 73
K3 Ecke Vordergasse-Goldsteinstrasse
K4 Freier Platz 10 / Zwischen Güterhof und Bretterhof
K5 Rheinquai 16 / Anlegeplatz 4
K6 Ende Rheinquai, beim Bootshaus

Das Kulturmagazin wird unterstützt von:
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