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Zwerge sprengen

Zwerge sprengen
Kino

Donnerstag, 24.06.2010 - Mittwoch, 30.06.2010

Mo: 17.00 / 20.00
Di: 17.00 / 20.00
Mi: 14.30 / 17.00
Do: 20.00
Fr: 20.00
Sa: 14.30 / 20.00
So: 14.30 / 20.00

Kiwi Scala
Bachstrasse 14
8201 Schaffhausen

Internet: www.kiwikinos.ch
Karte

Die Geschichte zweier Brüder - «Bünzli» der eine, Luftikus der andere - ist im Schweizer Film nicht ganz neu; so wurde sie vor zwei Jahren etwa im subtil schwebenden «Tausend Ozeane» von Luki Frieden umgesetzt. Bei Christof Schertenleib heisst der Bünzli Thomas (Max Gertsch), ist erfolgreicher Arzt im Emmental, und Hannes (Michael Neuenschwander) der Luftikus, der zu Filmbeginn in London bei einem luschen Deal den grossen Mann mimt, bevor er ins heimische Rüegsau reist, wo sich die Familie einmal im Jahr zum «Zwerge sprengen» trifft - einem seltsamen Ritual, das der Patriarch, Pfarrer Werner Schöni (Urs Bihler), erfunden hat, um gute Vorsätze und Wünsche im Familienverbund in die Welt zu setzen. In die Welt gesetzt hat er einst neben vier Kindern mit Ehefrau Margrith (Silvia Jost) auch noch einen unehelichen Sohn, Produkt eines Seitensprungs mit einer Praktikantin. Die lebt ganz in der Nähe und pflegt auch am Zwergenritual teilzunehmen. Als ob diese Ausganglage nicht explosiv genug wäre, hat Thomas im Flugzeug eine schöne Web-Designerin angebaggert und schleppt sie mit ans Familientreffen. Das geht natürlich schief. Und plötzlich ist da auch noch die geheimnisvolle Evelin (Sara Capretti), mit der beide Brüder einstmals etwas hatten. Weil so viele Konflikte in der Luft liegen und die Brüder das Baggern und Scharren und Schwänzeln offenbar vom Papa geerbt haben, beginnt es im Bauch von Evelin bald zu «grumseln», wie sie es nennt - und eine Ehe ist nahe daran, gesprengt zu werden. Am Ende sind es dann aber doch nur die Zwerge, die dieses Schicksal erleiden. Für diese heile kleine Welt schweizerischer Behäbigkeit stehen sie im ganzen bleiernen Beziehungsgeflecht, das Christof Schertenleib zusammen mit Michael Glawogger mit sicherer Hand gewoben hat, als Hauptmetapher im Raum. Dabei muss man dem Berner Regisseur Respekt zollen für etwas, das im Schweizer Film Seltenheitswert hat: Selbstironie. Wenn zum Schluss die selbstbewusste Evelin aus sicherer Distanz Tina, die stets abwesenden Tochter von Familie Schöni, fragt, warum sie von weit her angereist sei, um sich dieses Zwergenspreng-Ritual anzuschauen, antwortet Tina: «Manchmal muss man etwas noch einmal sehen, um sicher zu sein, dass man es nicht will». Das könnte auch - ein Stück weit wenigestens - die Distanzierung von einer Story sein, die letztlich nicht das einhält, was sie anfänglich verspricht.

Dialekt, ab 14 Jahren

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